Andrea Rendl ist eine zertifizierte Breathwork-Coachin und Wissenschaftlerin mit Doktortitel im Bereich mathematischer Optimierung und Informatik.
Wie sie selbst auf ihrer Website schreibt, verbrachte sie Jahre damit, die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen. Sie lebte ein nach Außen perfektes Leben – im Inneren fühlte sie sich aber einsam, unerfüllt und emotional ausgehungert. Therapien gaben ihr zwar mehr Klarheit, aber keine echte, spürbare Veränderung. Dann kam der Wendepunkt mit Ayahuasca und Breathwork, wobei sie die Atemarbeit als den bedeutendsten Game Changer bezeichnet. Sie entschied sich, Breathwork-Coaching und Belief-Programming zu ihrer Profession zu machen und ließ sich 2024 zur zertifizierten Breathwork-Coachin ausbilden.
Im Januar 2025 begann sie Content zu kreieren, um so ihr Wissen in den sozialen Medien zu teilen. Ihre analytisch-logische und dennoch empathische Herangehensweise an psychologische Themen kombiniert sie mit Comedy und vermittelt so komplexe Themen auf spielerische Weise.
Ein Meilenstein in Rendl's Biografie: das Schokokuchen-Reel
Ein weiterer Meilenstein in ihrer Biografie war ihr Schokokuchen-Reel, welches auf der ganzen Welt viral gegangen ist und von einflussreichen Instagram-Accounts in zahlreiche Sprachen übersetzt und weitergeteilt wurde – und dies aus gutem Grund:
Das Schokokuchen-Reel bedient sich einer genialen Analogie, um unterschiedliche Situationen mit unterschiedlichen Charakteren in der Partnersuche darzustellen und so toxische Muster zu verdeutlichen.
"If dating was a bake sale" - warum die Kuchenanalogie so gut funktioniert
Eine Analogie (auch „Parabel“ genannt) lenkt den Fokus ab von der persönlichen Identifikation mit einem oftmals emotional-komplexen Thema und schafft so den nötigen Abstand, um verschiedene Situationen nüchtern zu betrachten. Mit der Kuchenanalogie zeigt Andrea Rendl auf, wie absurd einige Kompromisse sind, die wie selbstverständlich bei der Partnersuche und der Partnerwahl eingegangen werden. Pathologische Muster werden entlarvt und so plausibel dargestellt, dass sich sicherlich nicht wenige fragen, wie sie so etwas jemals mit sich machen lassen konnten.
Andrea Rendl selbst stellt in dem Video zwei Aspekte einer Person dar: das „verletzte Selbst“, welches schnell einknickt und bereit ist, für ein bisschen Liebe unvorteilhafte und sogar gefährliche Kompromisse einzugehen. Und das „höhere Selbst“, welches einen gesunden Selbstwert hat, Grenzen setzt und sich nicht scheut, entschieden „Nein“ zu sagen.
Insgesamt sieben Interessenten – sieben verschiedene Charaktere – werden in dem Video sehr anschaulich dargestellt. Es wird deutlich, wie schädlich die Kompromisse sind, zu denen die ersten sechs Charaktere das Gegenüber verleiten möchten.
Interessent #1:
der Entwerter
„Hallo! Netter Kuchen. Wie viel? 80 Euro für diesen Kuchen!? Ich gebe dir 20.“
– „Es sind 80 Euro.“
„Aber, was hat der Kuchen denn zu bieten?“
– „Seine Kuchenartigkeit!“
So der Dialog mit dem ersten Interessenten. Der erste Interessent versucht den Wert des Kuchens zunächst auf 20 Euro herabzusetzen und anschließend mit der nachfolgenden manipulativen Frage, was der Kuchen denn zu bieten hätte, seinen Wert komplett in Frage zu stellen. Auf diese Weise versucht der Entwerter das Gefühl zu vermitteln, man sei doch eh nicht so viel oder sogar gar nichts wert, also kann man sich doch auch „billig verscherbeln“.
Das „höhere Selbst“ lehrt hier aber, den eigenen Wert für die „Liebe“ der anderen nicht zu reduzieren und stattdessen lieber standhaft zu bleiben und auf bessere Angebote zu warten. Die „Kuchenartigkeit“ eines Kuchens steht hier für die Gesamtpersönlichkeit eines Menschen und seinen inhärenten Wert, der nicht verhandelbar ist.
Interessent #2:
der Ungebundene
„Netter Kuchen. Kann ich eine Gratisprobe bekommen?“
– „Nein, keine Gratisproben.“
„Aber ich bekomme an anderen Ständen auch Gratisproben.“
– „Hier nicht. Tschüss.“
Hier ist der ungebundene Typ, der erstmal probieren möchte. Natürlich kostenlos, ganz ohne Verpflichtungen und ohne irgendetwas dafür zu bieten. Gratis eben. Bei der ersten Grenzsetzung setzt er manipulative Taktiken ein, um das Gegenüber zu verunsichern: „Aber ich bekomme an anderen Ständen auch Gratisproben.“ – heißt soviel wie: „Schau, ich bin so ein toller Typ. Ich habe überall Optionen, die mich nichts kosten.“
Das „höhere Selbst“ bleibt standhaft. Das „verletzte Selbst“ knickt hier bereits ein und fragt, ob sie nicht doch Gratisproben anbieten sollten. Der Selbstwert des „verletzten Selbstes“ ist hier so weit instabil, dass es schon beim zweiten Misserfolg dazu neigt, Kompromisse eingehen zu wollen. Tatsache ist, dass solche Kompromisse einem Selbstverrat gleichen und zur weiteren Selbstentwertung führen. Aber keiner will einen wertlosen Kuchen essen. Der Ungebundene würde also weiterziehen, zur nächsten Gratisprobe, die vielleicht mehr (Selbst)Wert zu bieten hat. Was bleibt ist eine Spirale der Selbstentwertung, die nur „noch mehr Typen anziehen würde, die Gratisproben wollen“, um dann weiterzuziehen – denn was es „kostenlos“ gibt, ist in den Köpfen eben auch „wertlos“.
Interessent #3:
der Undurchsichtige
der Undurch-sichtige
„Hi! Was für ein schöner Kuchen! Ich bin sehr interessiert. Wie viel?“
– „80 Euro.“
„Oh nein, ich habe nur 30. Würden Sie mir einen Discount geben? Oder könnte ich in Raten zahlen?“
– „Nein, keine Ratenzahlung.“
„Könnte ich einen Kredit bekommen?“
– „Nein, wir sind keine Bank. Kommen Sie zurück, wenn Sie Geld haben.“
Der dritte Interessent ist der undurchsichtige Typ. Er scheint aufrichtig interessiert zu sein. Er scheint sogar den vollen Wert des Kuchens zu sehen und versucht nicht, dessen Wert prinzipiell herabzusetzen. Er hat aber nicht die Ressourcen, oder zumindest behauptet er das. Hier geht es nicht einfach nur um Geld, hier geht es auch um immaterielle Werte wie Sicherheit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Loyalität, Verbindlichkeit. Ähnlich wie der Ungebundene, der erstmal nur probieren möchte, möchte der Undurchsichtige nicht das Risiko eingehen und den vollen Preis vorab bezahlen. Er möchte erstmal nur ein wenig geben, und dann später in Raten zahlen oder einen Kredit aushandeln und diesen Stück für Stück abzahlen – wenn man Glück hat.
In der Wirtschaft würde man die Kreditwürdigkeit des Antragstellers prüfen, im Dating geht das nicht. Man geht also ein Risiko ein, wenn man sich auf den Undurchsichtigen mit vollem Herzen einlässt. Es ist nicht klar, wie ernst er es meint und wie die Zukunft mit dem Undurchsichtigen aussehen wird. Er scheint ernsthaft interessiert zu sein und den Wert zu sehen, hat aber offensichtlich noch selbst sehr viel an seinem Charakter zu arbeiten. Leider sind solche Kandidaten nicht weniger fatal als die vorherigen Interessenten. Sicherheit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Loyalität und Verbindlichkeit auf Raten oder Kredit ist garantiert keine gute Grundlage für eine gesunde Beziehung. Es ist nämlich der „Kreditgeber“, der ohne jegliche Sicherheit in Vorleistung geht. Das Nervensystem und das endokrine System der Frau ist für diese Unsicherheit und Unberechenbarkeit nicht geschaffen. Emotionale und materielle Sicherheit ist die primäre Voraussetzung, damit eine Frau ihre positiven, weiblichen Eigenschaften entfalten kann.
Das „höhere Selbst“ schickt ihn also weg, bis er gegebenenfalls bereit und fähig ist, den entsprechenden Gegenwert zu liefern.
Interessent #4:
der Ehebrecher
„Wow, was für ein schöner Kuchen! Schokolade, ja? Ich habe aber hier schon einen großen Käsekuchen. Bietet ihr auch Kuchenstücke an?“
– „Nein, keine Kuchenstücke.“
„Aber ich kann nicht beide Kuchen tragen.“
– „Das ist nicht unser Problem. Nehmen Sie den ganzen Kuchen oder gehen Sie.“
Auch hier wird das „verletzte Selbst“ dazu verleitet, den eigenen Wert und die eigenen Standards zu reduzieren und einen ungesunden Kompromiss einzugehen. „Er hat sich bereits einem anderen Kuchen verpflichtet“ – entgegnet das „höhere Selbst“.
Es ist der klassische Fall des Ehebrechers – eines fest Gebundenen, der die fehlenden Elemente in seiner Ehe oder festen Partnerschaft mit einem unkomplizierten „Sidepiece“ zu füllen versucht. Die Position der heimlichen Geliebten ist keine Position, in der sich eine Frau sicher und als Ganzes angenommen und wertgeschätzt fühlen kann. Für eine unreife Frau, die ihren Wert über den Grad ihrer sexuellen Anziehungskraft definiert, mag es verlockend klingen, das Objekt der Begierde zu sein, das den Hunger stillt und die Lücke füllt – tatsächlich ist es aber der schlimmste Platz, der einer Frau zugeordnet werden kann. Hier sind nur „kleine Kuchenstücke“ von ihr willkommen, während der Rest des Kuchens zusehen kann, wo er bleibt. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, das Herzen bricht und Beziehungen – vielleicht sogar Familien – zerstört. Am besten man klettert bei so einem Date gleich heimlich zum Toilettenfenster raus.
Interessent #5:
der Unzufriedene
„Hi, dieser Kuchen sieht in Ordnung aus. Wie viel?“
– „80 Euro.“
„Das ist ganz schön viel. Ich mag Schokolade, aber auch Erdbeeren. Könnten Sie dem Kuchen ein paar Erdbeeren hinzufügen? Dann werde ich ihn nehmen.“
– „Keine Abänderungen. Der Kuchen ist eine perfekte Komposition, so wie er ist. Tschüss.“
Der Unzufriedene möchte das Gegenüber a priori ändern. Er ist nicht bereit, den Kuchen so zu akzeptieren, wie er ist. Stattdessen möchte er etwas Wesentliches an dem Kuchen ändern bzw. etwas hinzufügen, das ihm angeblich fehlt.
In so einem Fall fühlt sich die Frau gezwungen, permanent zu „performen“. So wie sie ist, ist sie nicht ausreichend, nicht genug. Es fehlt etwas an ihr – und nicht etwa mehr Schokoflocken, sondern etwas, das ihr „artfremd“ ist. Etwas, das nicht zu ihr gehört und nie zu ihr gehören sollte. Es würde ihre Persönlichkeit, ihre Authentizität und ihre ganze Kraft kosten, sich diese Eigenschaft, die sich der Unzufriedene an ihr wünscht, überzustülpen. Unauthentizität ist aber auf Dauer kräftezehrend und kann zu Depressionen führen, sowie einem Gefühl, das falsche Leben zu leben.
Um eine feste Partnerschaft lebendig und intakt zu halten, müssen beide Partner bereit sein, an ihren Charakterschwächen zu arbeiten. Destruktive Betrachtungs- und Verhaltensweisen, die dem „verletzten Selbst“ entspringen, werden in einer intimen Partnerschaft sehr deutlich gespiegelt und können so angesehen und mit Liebe und Geduld geheilt und abgelegt werden.
Dem Unzufriedenen geht es aber nicht um diese gemeinsame Heilungsarbeit. Der Unzufriedene projiziert sein eigenes Gefühl der Unzulänglichkeit auf das Gegenüber und meint, wenn sich das Gegenüber für ihn ändert, dann wird er zufrieden sein. Dies ist aber eine Illusion, da die Unzufriedenheit aus dem eigenen Selbst kommt. Es ist eine toxische Charakterschwäche, die das Gegenüber in einem kritischen Licht sieht und immer etwas neues zum Kritisieren findet.
Interessent #6:
der Zeitverschwender
der Zeitver-schwender
„Hallo, interessiert?“
– „…ja, irgendwie… Wie viel? Hmmm…“
„Interessiert?“
– „Ich bin nicht sicher.“
„Wenn Sie sich nicht entscheiden können, dann gehen Sie bitte weiter.“
Der Zeitverschwender kann sich nicht durchringen – weder zu einem klaren „Ja“, noch zu einem klaren „Nein“. Das „verletzte Selbst“ einer Frau könnte in diesem Fall die Ursache für diese Unentschiedenheit bei sich selbst suchen: „Vielleicht bin ich zu dick, zu dünn, zu laut, zu leise, zu alt, zu hässlich, zu arm, zu langweilig, zu kompliziert für ein klares ‚Ja‘?“
Die Wahrheit ist aber, dass die Ursache für die Unentschiedenheit des Zeitverschwenders allein in einer gestörten Beziehung zu seinen eigenen Bedürfnissen und Grenzen wurzelt. Ist sich ein Mann im Klaren über seine eigenen Bedürfnisse und seine eigenen Grenzen – ist er also mit sich selbst im Kontakt – dann weiß er ziemlich schnell, ob das Gegenüber seinen Vorstellungen entspricht oder nicht.
Sich mit der Unentschiedenheit eines Zeitverschwenders herumzuschlagen, bedeutet aber nicht nur Zeitverschwendung. Im schlimmsten Fall kann auch die mentale Gesundheit signifikant beschädigt werden, wenn die Unentschiedenheit zu permanentem Rätselraten, Grübeln, Selbstzweifeln und einem anstrengenden Hin-und-Her oder On-und-Off führt. Das „höhere Selbst“ fackelt da nicht lange und schickt den Zeitverschwender direkt weg.
Interessent #7:
der Richtige
„Entschuldigen Sie, ist dieser Kuchen mit Bio-Zutaten hergestellt?“
– „Ja, 100% bio.“
„Beinhaltet der Kuchen Kuhmilchprodukte?“
– „Keine Kuhmilch. Nur Eier. Fairtrade Schokolade mit 80% Kakao. Wenig Gluten und reich an Nüssen.“
„Ich kann es nicht glauben, das ist exakt wonach ich gesucht habe! Ich nehme ihn!“
– „Das wären 80 Euro.“
„Das ist gar nichts. Ich gebe 100 Euro!“
Volltreffer! Dieser Interessent trifft bei dem Schokokuchen genau ins Schwarze. Wer weiß, wie lange er schon nach genau so einem Kuchen gesucht hat: Bio und ohne Kuhmilch, mit Fairtrade-Schokolade, wenig Gluten, dafür aber mit Nüssen! Diese Zutaten können innere Werte, Charakterstärken, Vorstellungen über die Zukunft und bevorzugte Freizeitaktivitäten sein, die exakt zum Interessenten passen. Der Interessent ist so erfreut, dass er nicht nur bereit ist, den entsprechenden Gegenwert zu liefern, sondern darüber hinaus. Das bedeutet, auch er hat das Passende zu bieten und gibt aus vollem Herzen.
Es hat sich gelohnt, geduldig und standhaft zu bleiben, keine ungesunden Kompromisse einzugehen und den eigenen Wert unter keinen Umständen herabzusetzen.
Die Pathologie der ungesunden Kompromisse und wie wir es besser machen
Andrea Rendl’s Kuchenanalogie überfordert uns nicht mit komplizierten Datingratschlägen, die uns sagen, wir müssten eine komplett andere Person werden, um dann den richtigen Partner „anzuziehen“. Stattdessen zeigt die Kuchenanalogie auf empathische und leicht zugängliche Weise, wie absurd und pathologisch es ist, aus der Bedürftigkeit des „verletzten Selbstes“ zu handeln, ungesunde Kompromisse bei der Partnerwahl einzugehen und somit unser Seelenwohl zu riskieren. Die verhängnisvollen Versuchungen mögen kommen – die Kunst ist dabei, die Falle zu erkennen und „Nein“ zu sagen. Unser „höheres Selbst“ weiß das eigentlich schon – wir mussten nur noch Mal daran erinnert werden, auf diese Stimme auch zu vertrauen. 😉
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