DEIN SHIFT VOM ‚WAS-WENN‘ ZUM ‚SELBST-WENN‘: Das Problem mit Worstcase-Szenarien & woher sie kommen

DEIN SHIFT VOM ‚WAS-WENN‘ ZUM ‚SELBST-WENN‘: Das Problem mit Worstcase-Szenarien & woher sie kommen

Wie uns Worstcase-Szenarien in der Komfortzone gefangen halten

„Was, wenn mich alle für meine Entscheidung hassen werden? Was, wenn ich das neue Business gegen die Wand fahre und am Ende auch noch verschuldet bin? Was, wenn sich die Leute lustig machen werden, wenn ich endlich meine Geschichte mit der Welt teile? Was, wenn…?“

Wer kennt sie nicht – die berühmt-berüchtigten Worstcase-Szenarien, die sich unser Gehirn ausmalt, sobald wir es nur wagen, daran zu denken, unsere kuschelige Komfortzone zu verlassen, um unser Leben zu erweitern und es endlich auf ein neues und wünschenswerteres Level anzuheben?

Und wer ist nicht schon vor diesen Gedankenmonstern zurückgeschreckt und hat sich brav und kleinlaut wieder in seine Höhle der dahinsiechenden Lebensträume verzogen, die da „Komfortzone“ heißt? Und wer hat nicht schon nach Wegen gesucht, dieses lästige Gefühl der blanken Angst irgendwie auszuschalten, zu betäuben, für immer unter den Teppich zu kehren und jede Herausforderung heroisch an den Hörnern zu packen, wie ein stolzer Torero in einer spanischen Arena? Und doch. Jedes einzelne Mal, wenn wir uns hinauswagen, wittert das traumatisierte Nervensystem „Unsicherheit“ und schlägt Alarm. Erhöhter Puls, flachere Atmung, Cortisol-Ausschüttung. Das Gehirn – genau genommen, die linke Gehirnhälfte – möchte die Angst im Körper verstehen, sie kategorisieren und in bereits bekannte Schubladen packen und beginnt, das Unbekannte mit allerlei Fantasien auszugestalten, die dieses starke Angstgefühl erklären sollen. Das Ergebnis ist dann eine mittelgroße bis ziemlich große, potenzielle Katastrophe. Ein Kopfkino an Worstcase-Szenarien, die sich anfühlen, wie ein kompletter Weltuntergang.

Das Gehirn – genau genommen, die linke Gehirnhälfte – möchte die Angst im Körper verstehen, sie kategorisieren und in bereits bekannte Schubladen packen und beginnt, das Unbekannte mit allerlei Fantasien auszugestalten, die dieses starke Angstgefühl erklären sollen.

Warum negative Kindheitserfahrungen und Traumata eine Neigung zum "Katastrophisieren" verursachen können

Irgendwann in der Kindheit, da haben wir es schon Mal gewagt – den Schritt hinaus. Wir haben mit dem Unbekannten experimentiert. Unvoreingenommen Grenzen und Möglichkeiten ausgetestet. Und dann ist er passiert: der Worst Case. Etwas ist vielleicht zu Bruch gegangen. Vielleicht sogar ein paar Knochen in unserem Körper. Oder das teure Fahrrad. Vielleicht war es gar nicht so schlimm. Aber für ein kleines, hilfloses Wesen, das vieles noch nicht kennt, nicht weiß, nicht versteht… war das wie ein Weltuntergang! Auf jeden Fall waren die Mama und der Papa wütend. Oder enttäuscht. Oder traurig. Vielleicht gab es Geschrei. Oder sogar eine Strafe. Oder noch schlimmer: unbehagliches Schweigen. In der Wahrnehmung eines Kindes, dessen Überleben vom Wohlwollen und der Fürsorge der Eltern abhängt, ist das eine lebensbedrohliche Situation.

Vielleicht gab es auch noch Augenrollen, Sticheleien oder Gelächter von den Geschwistern, den Freunden, den Großeltern. Je nach dem, wie stark die negativen Reaktionen der Umwelt und wie nachhaltig die negativen Konsequenzen damals waren, wurde die kindliche Erfahrung des spielerischen Lernens, des Experimentierens und des Testens als entsprechend gefährlich oder gar lebensbedrohlich eingeordnet. Unsere kindliche Experimentierfreude wurde somit abgestraft und unser Entdeckergeist zu einem „gebrannten Kind“.

Als Kinder fühlen und lernen wir sehr viel intensiver. Die zur Geburt geringe Anzahl an Synapsen steigt in den ersten drei Lebensjahren extrem an. Dies ermöglicht die Verarbeitung möglichst vieler Eindrücke und ein schnelleres Lernen. Insbesondere solche Lernerfahrungen, die mit starken Emotionen einhergehen, werden regelrecht ins Nervensystem eingebrannt. Wie ein Brandmal auf der Seele, das für immer bleiben soll.

Werden wir dann später im Leben mit ähnlichen Situationen oder Umständen, oder sogar nur mit der Möglichkeit solcher Situationen oder Umstände konfrontiert, schlägt unser Nervensystem sofort Alarm, um uns vor der scheinbar lebensbedrohlichen Situation – also vor der Katastrophe bzw. vor dem Worst Case – zu schützen.

Wie die Neigung zum "Katastrophisieren" und ein dysreguliertes Nervensystem zusammenhängen

Ein dysreguliertes Nervensystem ist in einer permanenten Alarmbereitschaft und sucht im Außen ständig nach Halt und Sicherheit. Wollen wir uns nun weiterentwickeln, wachsen und unsere Komfortzone verlassen, bedeutet das für das Nervensystem immense Unsicherheit. Diese Unsicherheit löst wiederum immense Ängste aus. Wie im ersten Abschnitt beschrieben, möchte die linke Gehirnhälfte – also der Verstand – die starken Angstgefühle erklären. Da der Verstand aber keine schöpferische Vorstellungskraft hat und ausschließlich auf Erfahrungswerte zurückgreift, fabriziert er auf Basis der negativen Erfahrungswerte Worstcase-Szenarien. Statt ein nützlicher Gehilfe zu sein, wird der Verstand somit zum Tyrann, der sämtliches Wachstum sabotiert.

Dies kann zu den typischen Stressreaktionen eines dysregulierten Nervensystems führen, die oftmals sowohl von uns selbst, als auch von der Umwelt als irrationale Reaktion wahrgenommen werden: Kampf-oder-Flucht (fight-or-flight) als Zustand der Übererregung oder Erstarrung (freeze) als Zustand der Untererregung.

Denn je nach Schweregrad der negativen Folgen, Reaktionen und Emotionen aus der Kindheit, ist das Abrufen dieser ins Nervensystem eingebrannten Erfahrung mit ähnlich starken oder sogar gleichermaßen starken Emotionen verbunden, wie wir sie damals in der Kindheit hatten. Ist unser Nervensystem nicht in der Lage, diese starken Emotionen zu regulieren, kommt es zu den o.g. Stressreaktionen. 

Das Katastrophisieren und die Dysregulierung des Nervensystems stehen also in Wechselwirkung zueinander und erzeugen eine Art Teufelskreis.

Das Katastrophisieren und die Dysregulierung des Nervensystems stehen also in Wechselwirkung zueinander und erzeugen eine Art Teufelskreis.

Mehr als nur eine Hoffnung: der methodische Ausweg aus dem Dilemma

Meist wachsen wir auf, ohne diese starken Emotionen, die mit solchen schmerzlichen, schamhaften, angstvollen Erfahrungen verbunden sind, jemals wirklich zu ergründen. Oft nehmen wir einfach hin, ein Leben mit überwältigenden Ängsten führen zu müssen und lernen, sie mehr oder weniger unter einer coolen Maske zu verbergen oder angstauslösenden Situationen einfach aus dem Weg zu gehen.

Erst wenn wir älter werden, erkennen wir, dass uns diese im Nervensystem festgebrannten Emotionen und die damit verbundenen Stressreaktionen nicht nur aufreiben, sondern auch von unserem Wunschleben abhalten, indem sie uns wie eine unsichtbare Wand in unserer Komfortzone gefangen halten.

Wir beginnen zu hinterfragen, zu forschen und zu überlegen, wie wir uns aus diesem Teufelskreis befreien können. Erkenntnis, Geduld und Disziplin sind dabei wichtige und unverzichtbare Schlüsselelemente. Aber ohne eine effektive Methode, die uns durch alle Phasen den richtigen Weg weist und Halt und Sicherheit gibt, sind diese Schlüsselelemente wertlos.

Zum Glück haben viele Menschen schon längst die Rolle des Nervensystems erkannt und damit begonnen, sowohl moderne, effektive Methoden anzuwenden, als auch alte Methoden wiederzuentdecken, die einen Ausweg aus dem Dilemma bieten.

Einige dieser effektiven Methoden und weitere Tipps, wie du deine Emotionen und dein Nervensystem regulieren kannst, erfährst du im zweiten Teil dieser 3-teiligen Artikelserie.

Im dritten Teil erfährst du, wie du Worstcase-Szenarien geschickt zu deinem Vorteil nutzt und dadurch dein Mindset dauerhaft vom „Was-wenn“ zum „Selbst-wenn“ verlagern kannst.

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